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Dienstag, 30. Mai 2017

Der Bergmönch im Harz

Zwei Bergleute arbeiteten immer zusammen. Einmal, als sie anfuhren und vor Ort kamen, sahen sie am Leuchten ihrer Grubenlichter, dass sie nicht mehr genug Öl für eine Schicht in den Lampen hatten. „Was machen wir nun?“, fragten sie sich. „Wenn uns das Öl ausgeht und wir im Dunklen zu Tage fahren müssen, dann geschieht sicher ein Unglück, denn der Schacht ist gefährlich. Fahren wir aber gleich aus um Öl von zu hause zu holen, so bestraft uns der Steiger, und das mit Lust, denn er mag uns nicht.“ Wie sie also besorgt dastanden, sahen sie ganz fern an der Strecke ein Licht, das ihnen entgegen kam. Anfangs freuten sie sich, als es aber näher kam, erschraken sie gewaltig. Ein riesengroßer Mann kam ganz gebückt in der Strecke auf sie zu. Er hatte eine Kappe auf dem Kopf und war auch sonst wie ein Mönch gekleidet. In der Hand trug er ein mächtiges Grubenlicht. Als er die Beiden erreichte, richtete er sich auf und sprach: “Fürchtet euch nicht, ich will euch nichts tun, sondern euch helfen.“ Er nahm ihre Lampe und schüttete Öl von seiner Lampe darauf. Dann nahm er ihr Werkzeug und arbeitete eine Stunde. Er schaffte mehr als sie selbst in einer ganzen Woche herausgearbeitet hätten. Nun sprach der Mönch: „Sagt keinem Menschen, dass ihr mich gesehen habt.“ Er schlug mit der Faust links an die Steinwand und der Fels wich zur Seite. Die Bergleute erblickten eine lange Strecke, die ganz von Gold und Silber schimmerte. Und weil der Glanz ihre Augen blendete, wendeten sie sich ab. Als sie wieder hinschauten, war alles verschwunden. Hätten sie ihre Bilhacke (Hacke mit einem Beil) oder ein anderes Teil ihrer Ausrüstung in die schimmernde Strecke geworfen, wäre sie offen geblieben und sie wären reiche und angesehene Leute. Aber es war vorbei, als sie die Augen davon abwendeten.
Doch blieb ihnen das Öl des Bergmönchs in ihren Grubenlampen, das nie weniger wurde was ein großer Vorteil war.
Als sie nach vielen Jahren, an einem Samstag, mit ihren Freunden im Wirtshaus tranken und sich lustig machten, erzählten sie die ganze Geschichte. Als sie dann am Montag anfuhren, war kein Öl mehr in ihren Lampen und sie mussten nun jedes Mal wieder, wie die Anderen, frisches Öl auffüllen.

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Kommentar: Nacherzählt von Simone Sprengel
Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr.3